Zwei Meerengen, ein Kostenrisiko: Wie Hormus und Bab al-Mandab Ihre Einkaufspreise beeinflussen

Zwei Meerengen, ein Kostenrisiko: Wie Hormus und Bab al-Mandab Ihre Einkaufspreise beeinflussen
Hormus und Bab al-Mandab: Folgen für Einkauf und Dieselpreis | Werner Wonisch | Deal-Archtektur

Am Morgen des 10. September 2026 lag Brent-Rohöl laut TECSON bei 100,40 US-Dollar je Barrel. WTI notierte bei 95,40 Dollar. Wenige Stunden später schloss Brent laut Reuters bei 107,63 Dollar und WTI bei 102,48 Dollar.

Sieben Dollar Unterschied an einem Tag.

Der Auslöser lag mehrere Tausend Kilometer entfernt. Die Huthi hatten die jemenitische Hafenstadt Mokha eingenommen. Damit rückten sie näher an Bab al-Mandab heran. Durch diese Meerenge führt der südliche Zugang zum Roten Meer und weiter zum Suezkanal.

Eine vollständige Kontrolle der Meerenge ist bisher nicht bestätigt. Die Fähigkeit, den Schiffsverkehr zu bedrohen, ist jedoch gestiegen. Für den Ölmarkt reicht bereits dieses Risiko. Händler, Reeder und Versicherer warten selten auf die tatsächliche Sperre einer Route. Für produzierende Unternehmen beginnt das Problem an der Börse. Später erreicht es Frachtraten, Lieferantenangebote und die eigene Kalkulation.

Stand der Marktdaten: 10. September 2026

Zwei Engstellen mit weltweiter Wirkung

Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman. Sie gehört zu den wichtigsten Transportrouten für Rohöl und Flüssiggas. Die US-Energiebehörde EIA führt Hormus als weltweit bedeutendste Engstelle für den Öltransport.

Bab al-Mandab liegt rund 2.000 Kilometer weiter westlich zwischen Jemen und Ostafrika. Durch diese Meerenge fahren Schiffe in das Rote Meer und weiter durch den Suezkanal nach Europa.

Die Lage beider Routen hängt eng zusammen.

Saudi-Arabien kann einen Teil seines Rohöls über die Ost-West-Pipeline vom Persischen Golf zum Hafen Yanbu am Roten Meer transportieren. Dieser Weg umgeht Hormus. Ab Yanbu führen die Schifffahrtsrouten nach Norden durch den Suezkanal oder nach Süden durch Bab al-Mandab.

Gerät auch diese Meerenge unter Druck, verliert eine wichtige Ausweichroute einen Teil ihres Werts. Die EIA dokumentiert beide Wasserstraßen als zentrale Engstellen des internationalen Ölhandels. Nach Angaben von Associated Press passieren rund zwölf Prozent des Welthandels die Verbindung über Bab al-Mandab, das Rote Meer und den Suezkanal.

Die transportierten Ölmengen schwanken. Sie hängen von der politischen Lage, den verfügbaren Pipelines und den Entscheidungen der Reedereien ab.

Der Markt reagiert vor der Lieferkette

Ein Tanker muss weder sinken noch im Hafen bleiben, damit Preise steigen. Schon die Gefahr eines Angriffs verändert die Kalkulation. Versicherer erhöhen ihre Kriegsrisikoprämien. Reeder meiden die Route oder verlangen Zuschläge. Händler sichern sich über Terminkontrakte ab. Raffinerien kaufen verfügbare Mengen. Lieferanten verkürzen ihre Preisbindungen. Unternehmen erhöhen ihre Bestände.

Jeder Schritt steigert die Nachfrage nach Ware, Transportkapazität oder Absicherung.

Bei einer Umfahrung des Suezkanals über das Kap der Guten Hoffnung verlängert sich die Reise zwischen Asien und Europa meist um 10 bis 14 Tage. Ein Schiff schafft dadurch weniger Umläufe pro Jahr. Die vorhandene Flotte verliert rechnerisch Transportkapazität.

Der längere Weg erhöht den Treibstoffverbrauch. Personal- und Finanzierungskosten steigen. Fahrpläne geraten durcheinander. Container fehlen am richtigen Ort. Häfen erhalten größere Ladungsmengen in kürzeren Zeitfenstern.

Aus einer längeren Route wird ein Kapazitätsproblem.

Welcher Ölpreis für Ihr Unternehmen zählt

In Nachrichten ist meist von „dem Ölpreis“ die Rede. Im Einkauf wirken mehrere Marktwerte.

Brent ist die wichtigste Rohölreferenz für Europa.

WTI bildet vor allem den US-Markt ab. Der Kurs reagiert stark auf amerikanische Lagerbestände, Fördermengen und Konjunkturdaten. Der OPEC Basket fasst mehrere Rohölsorten der OPEC-Staaten zusammen.

ICE Low Sulphur Gasoil ist eine wichtige europäische Referenz für Diesel und andere Mitteldestillate.

Für Unternehmen mit hohem Diesel- oder Transportanteil kann der Gasölpreis mehr Aussagekraft haben als Brent.

Gasöl wird an der ICE Futures Europe gehandelt. Der zugrunde liegende physische Markt umfasst schwefelarmen Diesel in Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen. Diese Region wird als ARA bezeichnet.

Ein ICE-Kontrakt umfasst 100 Tonnen schwefelarmes Gasöl. Die Notierung erfolgt in US-Dollar je Tonne.

TECSON wies am Morgen des 10. September 2026 einen in Euro umgerechneten Gasölpreis von 1.248 Euro je Tonne aus. Brent lag zu diesem Zeitpunkt bei 100,40 Dollar je Barrel.

Rohöl und Diesel können sich unterschiedlich entwickeln

Der Abstand zwischen dem Wert eines Raffinerieprodukts und dem Rohölpreis wird als Crack Spread bezeichnet.

Ein hoher Gasoil-Crack zeigt, dass Diesel und andere Mitteldestillate stärker gefragt oder knapper verfügbar sind als Rohöl. Gründe können niedrige Lagerbestände, Raffinerieausfälle, Wartungsarbeiten oder fehlende Produktexporte sein.

Genau das erschwert derzeit die Lage.

TECSON verweist auf knappe Kraftstoffreserven und Ausfälle bei russischen Diesel- und Gasölexporten. Zugleich bedrohen die Konflikte im Nahen Osten weitere Lieferwege und Raffineriestandorte.

Dadurch kann Rohöl verfügbar bleiben, während der Preis für Diesel deutlich stärker steigt.

Für Preisverhandlungen ist dieser Unterschied wichtig. Ein Lieferant kann einen Dieselzuschlag mit dem Brent-Kurs begründen. Seine tatsächliche Kostenentwicklung hängt möglicherweise stärker vom Gasölpreis ab.

Der vereinbarte Index muss zur betroffenen Kostenart passen.

Der Wechselkurs arbeitet im Hintergrund

Rohöl und Gasöl werden international überwiegend in US-Dollar gehandelt. Europäische Unternehmen tragen deshalb ein Währungsrisiko.

TECSON nannte am 10. September 2026 einen Wechselkurs von 1,164 Dollar je Euro. Ein Dollar entsprach damit rund 0,858 Euro.

Steigt Gasöl in Dollar, erhöht sich die europäische Kostenbasis. Ein fallender Euro verstärkt diese Entwicklung. Auch ein unveränderter Dollarpreis kann für europäische Käufer teurer werden, sobald der Euro an Wert verliert. Für die Bewertung einer Preisforderung sollten diese Angaben vorliegen: - verwendete Rohöl- oder Produktreferenz - Liefermonat des Börsenkontrakts - Preis je Barrel oder Tonne - EUR/USD-Kurs - physische Marktprämie - Ausgangsdatum der Berechnung - betroffener Anteil an den Gesamtkosten

Am Morgen des 10. September notierte Brent laut TECSON bei 100,40 Dollar. Reuters meldete für den späteren Handelsschluss 107,63 Dollar. Der Anstieg zeigt, wie schnell neue Meldungen in die Börsenkurse einfließen können.

Von der Börse bis zur Tankstelle

Ein steigender Brent-Kurs führt selten im gleichen Verhältnis zu einem höheren Dieselpreis.

Der Endpreis enthält mehrere Bestandteile: - Kosten des Rohöls - Raffineriemarge - Gasölpreis - physische Verfügbarkeit - Wechselkurs - Lagerung und Transport - Beimischung und Produktspezifikation - Mineralölsteuer - Umsatzsteuer - Handelsspanne

Am 7. September 2026 lag der offizielle US-Durchschnitt für Straßendiesel laut EIA bei 5,967 Dollar je Gallone. An der US-Westküste waren es 6,987 Dollar. Kalifornien lag bei 7,764 Dollar.

Wenige Tage später meldete GasBuddy erstmals einen landesweiten Durchschnitt von mehr als sechs Dollar.

Die regionalen Unterschiede sind erheblich. Eine direkte Übertragung auf Österreich wäre falsch.

Die Europäische Kommission erhebt wöchentlich die Verbraucherpreise für Mineralölprodukte in den Mitgliedstaaten. Diese Daten zeigen den tatsächlich gemeldeten Preis. Eine verlässliche Vorhersage von 2,50 oder 3 Euro je Liter lässt sich daraus nicht ableiten.

Solche Werte eignen sich als Stressszenario für die Unternehmensplanung.

Wo die Kosten im Unternehmen ankommen

Diesel betrifft zuerst den Straßentransport. Die Wirkung reicht tiefer in die Kalkulation.

Chemische Vorprodukte und Kunststoffe hängen am Ölmarkt. Stahl, Aluminium, Gießereien und Wärmebehandlung reagieren auf Energiepreise. Verpackungen, Lacke und Schmierstoffe enthalten ebenfalls hohe Energie- oder Rohstoffanteile.

Bei Importteilen aus Asien verlängert sich zusätzlich die Transportzeit.

Eine Lieferung bleibt zehn Tage länger auf See. Der Lagerbestand sinkt. Das Unternehmen bestellt früher oder erhöht die Bestellmenge. Beides bindet Kapital.

Der Einkauf erhält in dieser Lage meist mehrere Forderungen gleichzeitig: - Dieselzuschläge - Energiezuschläge - höhere Seefracht - kürzere Preisbindungen - größere Mindestmengen - Vorauszahlungen - Berufung auf Force majeure

Jede Forderung braucht eine eigene Prüfung.

Einen Dieselzuschlag prüfen

Ein Lieferant sollte den verwendeten Index nennen. Dazu gehören der Basiswert, das Basisdatum und der Vergleichszeitraum.

Bei einem Dieselzuschlag sind folgende Fragen sinnvoll: - Welcher Index liegt der Forderung zugrunde? - Welcher Kostenanteil wird damit abgebildet? - Welche Strecke und welche Transportmenge sind betroffen? - Wurde der Wechselkurs bereits berücksichtigt? - Sinkt der Zuschlag wieder, sobald der Index fällt? - Gibt es eine Ober- und Untergrenze? - Enthält der Grundpreis bereits einen Energieanteil?

Ein pauschaler Hinweis auf die Lage im Nahen Osten belegt noch keine konkrete Mehrbelastung.

Einen Frachtzuschlag prüfen

Auch bei Seefracht braucht es Daten.

Der Lieferant sollte die ursprüngliche Route, die neue Route und die zusätzliche Laufzeit nennen. Dazu kommen Frachtrate, Versicherungszuschlag und Gültigkeitsdauer.

Besondere Aufmerksamkeit verdient die Lieferbedingung. Bei einer Lieferung ab Werk trägt der Käufer andere Risiken als bei einer Lieferung frei Werk. Die Incoterms können entscheiden, wer höhere Fracht- und Versicherungskosten übernimmt.

Eine bestehende Vertragsklausel bleibt ebenfalls maßgeblich. Der Marktpreis allein ändert noch keinen Vertrag.

Force majeure ist kein allgemeiner Preishebel

Eine angespannte Marktlage erfüllt nicht automatisch die Voraussetzungen für Force majeure.

Entscheidend sind der Vertrag, das anwendbare Recht und die konkrete Auswirkung auf die geschuldete Leistung. Ein Lieferant muss darlegen, welches Ereignis ihn an der Vertragserfüllung hindert und welche Gegenmaßnahmen er versucht hat.

Eine teurere Beschaffung kann wirtschaftlich schmerzhaft sein. Sie macht die Leistung nicht in jedem Fall unmöglich.

Juristische Fragen gehören im Einzelfall geprüft. Für den Einkauf zählt zuerst die Dokumentation: Ursache, Zeitraum, betroffene Menge, mögliche Alternativen und tatsächliche Mehrkosten.

Fünf Kontrollen für die nächsten Tage

1. Transportwege klären Bei kritischen Lieferanten sollte der tatsächliche Seeweg bekannt sein. Abgangs- und Zielhafen reichen nicht aus. Umladehäfen, Schifffahrtsroute und mögliche Ausweichstrecken gehören dazu. 2. Bestandsreichweiten neu berechnen Die Reichweite sollte in Produktionstagen angegeben werden. Aktueller Bestand, bestätigte Lieferungen und realistische Verzögerungen gehören in eine Rechnung. 3. Preisgleitklauseln öffnen Viele Verträge enthalten alte oder ungeeignete Indizes. Brent bildet einen europäischen Dieselzuschlag nur eingeschränkt ab. Für Mitteldestillate kann ICE Gasöl näher an der Kostenentwicklung liegen. 4. Forderungen zerlegen Ein Zuschlag kann Rohstoff, Energie, Transport und Währung enthalten. Jeder Bestandteil braucht eine eigene Bezugsgröße. Sonst droht eine doppelte Weitergabe derselben Kosten. 5. Entscheidungsgrenzen festlegen Das Unternehmen braucht feste Werte für: - maximal akzeptierten Zuschlag - Mindestreichweite des Lagerbestands - zusätzliche Bestellmenge - Freigabe eines Ersatzlieferanten - Zeitpunkt der Kundeninformation - zusätzliche Kapitalbindung Bei Überschreitung eines Werts muss feststehen, wer entscheidet und welche Maßnahme folgt.

Marktbeobachtung mit Bezug zum eigenen Risiko

TECSON bietet einen verständlichen Überblick über Rohöl, Gasöl, Wechselkurs und aktuelle Marktthemen. Für die tägliche Orientierung ist das hilfreich. Für die unternehmerische Bewertung reichen Börsenkurse allein nicht aus. Sie müssen mit der eigenen Kostenstruktur verbunden werden. Diese Werte gehören auf eine kleine Beobachtungsliste: - Brent für das allgemeine Rohöl- und Krisenrisiko - ICE Gasöl in Euro für Diesel und Mitteldestillate - Gasoil-Crack für die Lage der Raffinerieprodukte - EUR/USD für den Währungseffekt - ARA-Bestände für die physische Verfügbarkeit - Frachtraten für die Kosten der Ausweichrouten - Lieferzeiten der eigenen kritischen Materialien Die Erfassung kann wöchentlich erfolgen. Bei starken Bewegungen ist ein kürzerer Abstand sinnvoll. Ein Gasölpreis von 1.248 Euro je Tonne trifft einen Betrieb mit hohem Diesel- und Transportanteil stärker als ein Unternehmen mit regionalen Lieferanten und geringem Energieeinsatz.

Der Markt liefert das Signal. Der Vertrag entscheidet, wer die Kosten trägt.

Der Einkauf braucht belastbare Grenzen

Niemand kann heute verlässlich vorhersagen, wie lange die Störungen an Hormus und Bab al-Mandab dauern. Auch der höchste Dieselpreis der kommenden Monate ist unbekannt.

Das Unternehmen kann seine Handlungsgrenzen festlegen.

Dazu gehören der höchste tragbare Materialpreis, die niedrigste erlaubte Bestandsreichweite, der späteste Zeitpunkt für eine Kundeninformation und die maximale zusätzliche Kapitalbindung. Die Börse zeigt den ersten Risikoaufschlag. Danach folgen Spotmarkt, Frachtraten und Lieferantenforderungen. Wer erst auf die neue Rechnung reagiert, hat einen Teil seiner Verhandlungszeit verloren.

Den Deal vor dem Deal entscheiden.

In diesem Fall beginnt das mit einem Blick auf Route, Index und Vertragsklausel.

Hinweis zur Erstellung

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt. Recherche, Quellenprüfung, fachliche Einordnung und redaktionelle Verantwortung liegen bei Werner Wonisch.

Quellen

"U.S. Energy Information Administration: World Oil Transit Chokepoints" (https://www.eia.gov/international/analysis/special-topics/World_Oil_Transit_Chokepoints) "ICE Futures Europe: Low Sulphur Gasoil Futures" (https://www.ice.com/products/34361119/Low-Sulphur-Gasoil-Futures) "CME Group: WTI Crude Oil" (https://www.cmegroup.com/markets/energy/crude-oil/light-sweet-crude.html) "TECSON: Ölpreise, Rohöl und Gasöl" (https://www.tecson.de/de/oelweltmarkt.html) "TECSON: Fakten und Analysen zum Ölmarkt" (https://www.tecson.de/de/top-themen-oelmarkt.html) "U.S. Energy Information Administration: Gasoline and Diesel Fuel Update" (https://www.eia.gov/petroleum/gasdiesel/) "Europäische Kommission: Weekly Oil Bulletin" (https://energy.ec.europa.eu/data-and-analysis/weekly-oil-bulletin_en) "Reuters: Entwicklung der Ölpreise am 10. September 2026" (https://www.reuters.com/business/energy/brent-holds-above-100-tanker-attacks-deepen-supply-fear-2026-09-10/) "Reuters: Entwicklung am Bab al-Mandab" (https://www.reuters.com/world/middle-east/saudi-says-no-danger-after-khamis-mushait-alert-amid-clashes-with-houthis-2026-09-10/)